Selbstfürsorge für Special-Needs-Parents


Statt neuer Inhalte möchte ich euch heute das Best-Off zum Thema Stress-Management aus meinem Blog ans Herz legen. Denn mir ist aufgefallen, dass meine gesammelten Inhalte schon eine Art „Mini-Selbstlern-Kurs“ sind und mit diesem Artikel möchte ich sozusagen eine Art Inhaltsverzeichnis oder einen Wegweiser durch meinen Blog geben und Euch alle Artikel kurz vorstellen, damit ihr wisst, welche Artikel vielleicht gerade für Euch hilfreich sind. Aber lasst mich vorweg -und im Fazit – noch etwas zum Thema „Selbstfürsorge“ sagen.

Ich mag ja den Begriff „Selbstfürsorge“. Denn bedeutet das nicht eigentlich „Erwachsensein“ im besten Sinne? Für sich selbst sorgen? Und: Wie wollen wir für andere sorgen, wenn wir nicht für uns selbst sorgen? Dabei müssen wir berücksichtigen, dass gerade diejenigen, die sich um andere kümmern oft als so „stark“ gelten, dass niemand anders sich um sie kümmert. Man geht davon aus, dass diejenigen, die für andere sorgen, keine Unterstützung brauchen, weil sie ja offensichtlich Kraft genug haben. Dass diese Kraft oft auf Kosten der Selbst-Fürsorge geht, wird oft nicht gesehen.


„Achten Sie gut auf sich selbst!“ – aber wie?

Dieser Gedanke ist nun nicht neu. Und so raten ExpertInnen wohlwollend „Sie müssen auch auf sich selbst achten!“. Aber wie? Das sagt einem keiner. „Tun Sie sich selbst auch was Gutes!“ raten Ärzte und Therapeuten. Und wir murmeln „Ja!“ oder gucken mit großen Augen und fragen uns wie wir DAS JETZT AUCH NOCH schaffen sollen.

„Selbstfürsorge“ klingt dann wie ein zusätzlicher Task auf unserer To-Do-List. Eine Aufgabe, die auch noch „oben auf“ kommt. Eine Leistung, die wir neben all dem Stress, den Terminen, der Pflege nun auch noch „bringen“ müssen.

Die perfekte Special-Needs-Mom wuppt Pflege, Therapien, Familie und womöglich Erwerbstätigkeit. Sie fördert liebevoll, vertritt die Interessen ihres Kindes engagiert und effektiv und gestaltet ein fröhliches Familienleben. Sie sorgt für alle Kinder und weiteren Familienmitglieder von Hund über Mann bis Großeltern, regelt geschickt den Alltag und erledigt Anträge und Widersprüche mit links.

Und neben all diesen Dingen schafft sie es sich gesund zu ernähren, ihre Yoga-Übungen zu machen, regelmäßig zu joggen, Qualitätszeit mit ihrem/r PartnerIn zu verbringen und nimmt sich dann auch Zeit für ein gutes Buch in der Badewanne mit einem gepflegten Glas Wein. (Liebe Special-Needs-Dads: Übersetzt die oberen 2 Absätze einfach auf die Väter-Lebens-Wirklichkeit. Ich bin eine Frau und bitte um Verständnis, dass ich aus Mütter-Perspektive schreibe)

Selbstfürsorge ist kein Luxus

Sieht so Euer Leben aus? Also bei mir bleibt oft irgendwas auf der Strecke. Und meist bin das ich selbst. ABER: Am Ende des Tages ist das „Sorge gut für Dich selbst“ gar kein zusätzlicher Task. Es ist eine notwendige Vorsorgemaßnahme.

Denn wer sich keine Zeit für die Selbstfürsorge nimmt, der spart damit keineswegs Zeit. Im Gegenteil! Der Körper und die Seele fordern diese Zeit -mit Zinsen!- später ein. Selbstfürsorge ist kein Luxus. Selbstfürsorge ist eine Notwendigkeit.

Denn wenn unsere seelischen und körperlichen Kräfte erstmal angegriffen sind, dann ist es wesentlich zeitintensiver überhaupt wieder „heil“ zu werden. Das ist wie mit dem Auto: Pflege und Inspektion ist günstiger als den Wagen zu strapazieren und das Klappern zu ignorieren bis er liegen bleibt.

„Achten Sie auch auf sich selbst!“ fordern uns wohlmeinende Mitmenschen auf. Aber hey: Wieso verrät uns keiner WIE das denn gehen soll? In all dem Trubel? Bei all den Aufgaben? Wenn doch gerade bei Krankheit und wenn es schwierig wird keine Hilfe in Sicht ist und alles an den Eltern hängen bleibt?

Kleine Schritte: Kaizen für Eltern

Mein Tipp: Kleinen Schritte! Fangt mit Dingen an, die nur eine Minute brauchen. Eine Atemübung. Eine Achtsamkeitsübung. Oder: Zerlegt ein großes Projekt wie „Ich will regelmäßig joggen gehen“ in ganz kleine Schritte.

Man kennt das Konzept auch als „Kaizen“ und ich erkläre es in diesem Blog-Artikel: https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/kaizen-oder-der-weg-der-kleinen-schritte/

Health-First: So analysierst Du Deinen Stress-Pegel

Doch warum fangen wir so oft gar nicht an? Weil wir gar nicht mehr merken, wie hoch unser Stress-Pegel eigentlich ist. „So schlimm ist es ja gar nicht!“ erzählt mir eine KlientIn im Gespräch, als wir auf ihren Stress zu sprechen kommen. Aber als wir ihre persönlichen Stress-Marker ermitteln und in eine Tabelle eintragen, wird auf dem Papier sichtbar, was man in Gedanken verdrängt: Die Symptome sind da. Wir nehmen sie nur nicht wahr. Wie ein Wanderer, dem an jeder Kreuzung ein kleiner Stein mehr in den Rucksack gelegt wird, spüren wir die wachsenden Belastungen und die damit einhergehenden Verspannungen nicht. Kommen diese Eltern tatsächlich mal raus, weil sie beruflich auf Dienstreise sind, eine Kur allein machen durften oder das Kind mal ein Wochenende in der Kurzzeitpflege war, merken sie plötzlich wie schwer es ist, die Last wieder zu schultern. 

SportlerInnen achten genau darauf ihre Belastung im Blick zu behalten. So dass sie daran wachsen und ihrem Körper nicht durch Unachtsamkeit oder Überstrapazierung schaden. Damit auch wir besser beobachten können, wie es uns eigentlich geht habe ich Euch ein Tool erstellt mit dem ihr Euren eigenen Stress analysieren könnt: https://www.marion-mahnke.de/health-first/

(Extra-Tipp von Yvonne-Dinger: Mit diesem Tool kann man auch den Stress von nonverbalen Kindern analysieren und für weitere Assistenz- und Pflegekräfte sichtbar machen.)

Stress-Theorie

Doch was ist Stress überhaupt? Wieso könnten wir ohne Stress gar nicht überleben? Und wann wird Stress überhaupt zum Problem? Darüber und an welchen 3 Stellschrauben wir drehen können um unseren Stress besser zu managen habe ich gerade kürzlich geschrieben. Wenn ihr den Artikel noch nicht kennt schaut mal rein: https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/stressmanagement-das-a-und-o/

Stress-Bewältigung im Alltag

Doch mal ehrlich: Die wenigsten von uns können sich jeden Tag 30 Minuten für Sport nehmen und einen Kurs in Autogenem Training buchen. Womit können wir sofort anfangen ohne viel Zeit zu verlieren? Zum Beispiel indem wir mehr Natur in unser Leben holen. Mit dem Rad und Kind im Fahrradanhänger durch den Wald fahren. Zeit im Garten verbringen, mit dem Hund nicht um den Block gehen, sondern ins nahegelegene Wäldchen fahren. Dafür brauchen wir keine Kurse zu belegen und kaum Extra-Zeit einzuplanen. Warum die Natur so einen unmittelbaren Effekt auf unseren Stresspegel hat und wieso der Wald auch Kindern so gut tut erfahrt ihr hier:   https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/stress-lass-nach-auf-in-den-wald/

Hilfe! Ich hab Zeit für mich!

Und dann gibt es diese Momente in denen man doch mal Zeit für sich hat und die gar nicht sinnvoll nutzen kann. Weil ein einfach nichts einfällt, das einem gut tun würde. Warum das so ist und wie ihr mit einem ganzen einfachen Hilfsmittel etwas daran ändern könnt, das findet ihr im Artikel über meine „Feenliste“ raus:  https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/freebie-zeit-fuer-dich/

Hausgemachter Stress?

Manchmal ist Stress auch „hausgemacht“. Das hat etwas mit der „zweiten Stellschraube“ zu tun: Unseren inneren Überzeugungen. Zum Beispiel der Überzeugung, dass wir es SELBST machen müssen, damit „es“ auch „richtig“ gemacht wird. Oder zumindest kontrollieren! Eine einfache Veränderung dieser inneren Überzeugung nimmt sehr viel Druck. Dafür müssen wir aber begreifen, worin der Unterschied besteht zwischen „delegieren“ und dem wirklich Übergeben von Verantwortung. Wie das gelingt, erfahrt ihr hier: https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/abgeben-heisst-auch-abgeben/

Abgrenzung und Problemeignerschaft

Zugegeben: Über Problemeignerschaft muss ich nochmal einen Artikel schreiben. Den gibt es noch nicht. Aber das Wesentliche ist: Manche Probleme gehören uns gar nicht! Die werden von anderen an uns herangetragen in der Hoffnung, dass wir sie lösen, weil wir gar nicht merken, dass wir eigentlich nicht zuständig sind. Oder weil man an unsere Kompetenz, unser Mitgefühl, unsere Freundlichkeit appelliert. Manchmal geht es einfach darum „Nein!“ zu sagen.  Doch viele haben Angst Porzellan zu zerschlagen, wichtige Kooperationspartner zu verärgern oder vielleicht sogar die Zuneigung und Wertschätzung anderer zu verlieren. Wie es gelingt „Nein!“ zu sagen ohne Porzellan zu zerschlagen erfahrt ihr in : „Das goldene Nein!“ https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/das-goldene-nein/

Absturz oder Notlandung?

Abschließend möchte ich folgendes sagen. Wir werden nie ein stressfreies Leben führen und das ist auch gut so. Das Leben ist turbulent und spannend und es passiert immer wieder etwas, das aufregend und anstrengend ist. Ereignisse geschehen, die wir bewältigen und an denen wir wachsen. Problematisch wird es nur, wenn alles zu viel wird. Dann droht ein Absturz. Und wenn das passiert, dann geht es darum aus einem drohenden Absturz eine sichere Notlandung zu machen. Dafür braucht man ein „Notlandeprotokoll“, dass man in ruhigen Zeiten vorbereitet:

https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/mayday-mit-dem-notlandeprotokoll-abstuerze-verhueten/
Zum guten Schluss

Wenn Euch dieser Beitrag gefallen hat, dürft ihr ihn natürlich mit anderen teilen. Ihr könnt das einfach tun, in dem ihr diesen Link weitergebt: https://aussergewoehnlich-gut-leben.de/selbstfuersorge-fuer-special-needs-parents/

Ich hoffe, ihr habt den ein oder anderen inspirierenden Gedanken gefunden und habt einen Anhaltspunkt welcher Blogartikel für Euch jetzt gerade hilfreich sein kann um den nächsten Schritt zu mehr Selbstfürsorge zu tun.

Was ich Euch noch  mitgeben möchte: Selbstfürsorge wird nicht von Außen kommen! Selbstfürsorge ist eines der wenigen Dinge, die nur ihr selbst Euch erlauben könnt.

Wir machen als Eltern und insbesondere als Eltern mit Pflegeverantwortung einen anstrengenden Job. Und wir machen ihn gut.

Es gibt kein „betriebliches Gesundheitsmanagement“ für Pflegepersonen. Das müssen wir selbst im Blick behalten. Wir sind unsere eigenen ChefInnen im Behinderungs-Management und damit voll für uns selbst verantwortlich.

Wir dürfen nicht nur – wir müssen!- dieser Verantwortung gerecht werden. Genauso wie PilotInnen Verantwortung dafür tragen ausgeschlagen in den Flieger zu steigen und BerufssportlerInnen auf ihre Fitness achten müssen ist es unsere Aufgabe als pflegende Eltern auch unsere eigene psychische, seelische und körperliche Gesundheit im Blick zu behalten.

Und abgesehen davon ist es ein Menschenrecht und etwas, das ich Euch allen wünsche: Dass ihr heil und gesund und voller Energie und Freude Eure Aufgaben als Mütter, Väter, Pflegepersonen und gesetzliche Vertretung Eurer Kinder erfüllen könnt!

Eure
Marion Mahnke

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