Satt, aber mangelernährt? Der unsichtbare Zellen-Hunger im Pflegealltag
Kennst du das Gefühl, wenn du abends auf dem Sofa sitzt, der Magen ist voll – und trotzdem hast du das dumpfe Gefühl, dass irgendetwas fehlt? Nicht Hunger. Eher so ein leises “Ich bin trotzdem leer”.
Ich hatte dieses Gefühl jahrelang – und habe dagegen angegessen. Irgendwann war dieses Gefühl plötzlich sehr viel leiser. Und das, obwohl ich weder mehr noch weniger Kalorien zu mir genommen hatte. Was hatte sich verändert?
Ich hatte angefangen, meine Ernährung umzustellen. Zunächst (aus purem Zeit- und Energiemangel) mit Nahrungsergänzungsmitteln. Und je mehr die Kraft zurückkam, desto mehr Energie und Zeit fand ich für gesündere Snacks und vielfältigere Küche.
Nein – die “Food Noise”, mit der ich als Adipositas-Patientin seit Jahrzehnten lebe, ist nicht ganz weg. Da wollen wir ehrlich sein. Aber sie ist erträglicher geworden.
Und ich habe dafür einen Begriff erfunden: Ich bin “Nährstoff-Satt”. Damit meine ich einen Zustand, der nicht von Kalorien oder Füllmenge im Magen abhängt – sondern davon, ob mein Körper mir meldet: “Hey, alle Mikronährstoffe, die wir zum Funktionieren brauchen, sind da – du brauchst die Umgebung nicht mehr nach Nahrung zu scannen!”
Genau darum geht es heute. Im ersten Teil dieser Serie haben wir uns angeschaut, wie wir mit der 1-2-3-Methode unseren Blutzucker bändigen, um die emotionalen Berg-und-Tal-Fahrten im Pflegealltag abzufedern. Heute gehen wir eine Ebene tiefer – direkt in unsere Zellen. Dahin, wo “Nährstoff-Satt” wirklich entsteht.
Es klingt paradox: Wir leben in einer Gesellschaft des absoluten Überflusses. Es gibt an jeder Ecke Essen, wir zählen Kalorien und machen uns ständig Gedanken um unser Gewicht – und trotzdem leidet ein erschreckend hoher Anteil der Bevölkerung, insbesondere bei chronischem Stress, an einer handfesten Mangelernährung.
Die moderne Ernährungswissenschaft hat dafür sogar einen eigenen Begriff: “overfed but undernourished” – überfüttert, aber unterversorgt. Man ist zwar rein mechanisch und kalorisch satt, aber die eigenen Zellen “verhungern” sprichwörtlich, weil ihnen die essenziellen Mikro-Bausteine fehlen.
Und ich sag’s, wie es ist: Im Special-Needs-Alltag wird dieses Problem durch zwei massive Brandbeschleuniger extrem verschärft. Convenient-Food aus dem Supermarkt und industrielle Notfall-Snacks einerseits – und die Indoor-Lebensweise, zu der viele von uns als pflegende Eltern schlicht gezwungen sind, andererseits. Wenn das Anziehen von Kind und Zusammensuchen von Zubehör schon so viel Zeit und Kraft kostet, dass für regelmäßiges Draußensein einfach nichts mehr übrig bleibt. Oder wir zu viele andere Termine um die Ohren haben.
Beides kenne ich aus eigener Erfahrung nur zu gut.
Die Falle der “leeren Sattmacher”
Wenn die Nacht um drei Uhr morgens vorbei war und der Tag ein einziges logistisches und emotionales Feuerwerk ist, greifen wir zu dem, was sofort verfügbar ist. Die schnelle Tütensuppe. Der Riegel an der Tankstelle. Das Fertiggericht für die Mikrowelle. Der Keks zwischendurch, den man eigentlich für die Kinder gekauft hat.
Diese hochverarbeiteten Industrieprodukte sind exakt darauf optimiert, uns blitzschnell zu sättigen und das Belohnungszentrum im Gehirn zu triggern. Was sie uns liefern, sind fast ausschließlich isolierte Kohlenhydrate, minderwertige Fette und jede Menge Salz sowie künstliche Zusätze.
Was sie uns nicht liefern: Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Das biologische Ergebnis: Der Magen ist voll, die Waage zeigt vielleicht sogar mehr an – aber Immunsystem, Hormonproduktion und Nervensystem laufen auf dem nackten Zahnfleisch. Uns fehlen schlicht die Werkzeuge für die täglichen Reparaturarbeiten im Körper.
Nebenbei gesagt: Das betrifft auch viele unserer Kinder, die (noch) nicht richtig kauen und schlucken können. Industrielle Formula wie hochkalorische Apotheken-Drinks oder Sondennahrung gelten zwar als “bilanziert” und werden von ÄrztInnen und Industrie als “vollwertige Nahrung” propagiert – warum sie aber ernährungstechnisch eher einem “pürierten Hamburger” gleichen, und wie man durch selbst hergestellte Trink- und Breikost die Ernährung seines Kindes selbst in die Hand nehmen kann, das erklärt uns Yvonne Dinger – selbst Mutter eines Sonden-Kindes und Ernährungsberaterin – im Online-Kurs Natürliche Trinknahrung und ausgewogene B(r)eikost.
Aber nun zurück zu uns Erwachsenen – denn es ist genauso wichtig, unsere eigene Gesundheit und Ernährung so ernst zu nehmen wie die besonderen Bedürfnisse unserer Kinder, oder?
Brandbeschleuniger 1: Der Nährstoff-Staubsauger namens “Dauer-Bereitschaft”
Warum trifft uns das als pflegende Eltern so viel härter als Menschen mit einem regulären Alltag? Weil unser Nervensystem in einer permanenten Ruf- und Alarmbereitschaft steht.
Chronischer Stress ist ein absoluter Nährstofffresser. Wenn der Körper dauerhaft Cortisol und Adrenalin produziert, läuft der zelluläre Stoffwechsel auf Hochtouren – selbst wenn wir auf dem Papier noch im “besten Alter” sind. Jedes Pflegejahr schlägt sich körperlich doppelt und dreifach nieder. Wir altern nicht nur im Zeitraffer, unsere Zell-Reserven sind durch die ständige Achterbahnfahrt zwischen Funktionieren und Erschöpfung permanent unterversorgt.
Und wir merken es oft nicht mal! Weil wir gebraucht werden. Denn im Fight-and-Flight-Modus setzen die Selbst-Diagnose-Mechanismen unseres Körpers erst mal aus.
Was wir spüren, ist vielleicht ein diffuses Gefühl von Erschöpfung. Wir schimpfen uns selbst “tüddelig”, wenn wir den Autoschlüssel im Kühlschrank wiederfinden, oder glauben, wir seien irgendwie blöd, weil wir Wortfindungsprobleme haben.
Mit den Jahren nimmt unsere Bewegung ab – weil wir Hobbys und Außenkontakte einschränken (müssen), während die körperlichen Anstrengungen durch ein älter und schwerer werdendes Kind größer werden.
Wie genau das alles auf Dauer Herz und Gehirn zusetzt, ist ein eigenes, großes Thema. Darüber erfährst du mehr im Online-Kurs Gesundheit für Herz und Hirn.
Für unseren Gedankengang aber ist erstmal wichtig festzuhalten: Pflegende Angehörige sind – gerade in der Langzeitpflege behinderter Kinder – dauerhaft belastet. Schlafmangel, ständiges Auf-dem-Sprung-Sein und das Kopfkarussell rund um die kleinen Sorgen des Alltags und großen Ängste um das Morgen – das alles setzt unserem Körper zu und hält uns in einer ständigen Fight-and-Flight-Zone.
Und das kann krankmachen!
🩺 Wichtig: Deine ÄrztInnen müssen die Wahrheit kennen
Oft haben ÄrztInnen unsere spezifische Belastung gar nicht auf dem Schirm. Sie sehen die Pflege von Kindern leider viel zu oft nur als “verlängerte Elternzeit” und unterschätzen unsere Pflege- und Bereitschaftszeiten völlig.
Das musst du ändern: Deine Hausärztin oder dein Hausarzt muss wirklich verstehen, dass du unter dieser spezifischen Dauerbelastung stehst. Nur so können Beschwerden korrekt eingeordnet und bei Bedarf rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden.
Genau wie ÄrztInnen wissen müssen, ob eine Patientin oder ein Patient in der Schichtarbeit oder im Handwerk tätig ist, um körperliche Verschleißerscheinungen zu verstehen, musst du nachdrücklich auf deine Belastung durch Schlafmangel, Dauerbereitschaft und das ständige Aufspringen-Müssen hinweisen – sei es das beunruhigende Husten aus dem Wohnzimmer, die plötzliche Stille im Kinderzimmer oder der gefährliche Gegenstand im Mund deines Kindes.
Wenn deine ärztliche Fachkraft zusätzliche Bluttests (wie Ferritin, Vitamin D3, B12 oder Magnesium) nicht machen will: Weise explizit auf deinen Status als pflegende Angehörige hin. Du bist nicht einfach eine “müde Mama” oder “nur ein weiterer gestresster Vater” – du leistest Schwerstarbeit im Schichtdienst. Deine Gesundheit ist der Garant dafür, dass dieses System läuft – das ist ein valider medizinischer Grund für eine gründliche Diagnostik.
Und falls deine Praxis trotz deutlicher Schilderung wenig Verständnis zeigt: Das ist kein Grund aufzugeben. Du hast Optionen:
- HeilpraktikerInnen: Sie haben oft einen anderen Blick auf chronische Erschöpfungszustände und können unterstützend bei der Nährstoffdiagnostik und -optimierung helfen.
- Apotheken: Viele Apotheken vor Ort bieten inzwischen hochwertige Gesundheits-Checks und Vitalstoff-Tests an. Ein kleiner Umweg, der dir Sicherheit gibt, um deinen Motor wieder in Schwung zu bringen.
Brandbeschleuniger 2: Die Indoor-Lebensweise unserer Familien
Hinzu kommt ein Faktor, über den in klassischen Ernährungsratgebern fast nie gesprochen wird: Unsere Lebenswirklichkeit zwingt uns oft zu einer intensiven Indoor-Lebensweise.
Während andere Familien am Wochenende stundenlang unbeschwert durch den Wald spazieren, sind wir oft an das Haus gefesselt. Weil Therapien anstehen. Weil das Wetter oder die Umgebung für das Kind eine Reizüberflutung bedeutet. Oder weil Hilfsmitteltransporte schlicht zu aufwendig sind. Wenn wir mit unseren Kindern nicht so oft rauskommen wie andere, hat das handfeste biologische Konsequenzen.
Weniger Tageslicht bedeutet nämlich: ein schleichender, tiefer Vitamin-D3-Mangel.
Vitamin D ist eigentlich gar kein klassisches Vitamin, sondern ein lebenswichtiges Schlüsselhormon, das maßgeblich unsere psychische Stabilität, den Schlaf und die Immunabwehr steuert. Fehlt uns das Licht und füllen wir den Speicher nicht gezielt auf, rutschen wir fast unweigerlich in eine tiefe Erschöpfungsspirale, die mit “schlechter Laune” überhaupt nichts mehr zu tun hat.
Anders formuliert – und das ist mir jetzt wichtig! –: Mit dir ist nichts falsch, wenn du lustlos oder müde bist oder emotional unausgeglichen. Du leidest (vermutlich) nicht (nur) an PMS oder PMDS, sondern steckst in einer Negativ-Spirale fest: Schlafmangel führt dazu, dass wir nicht rausgehen. Das führt zu Vitamin-D-Mangel. Das führt wiederum zu Schlafmangel.
Der Grund: Vitamin D ist an entscheidender Stelle an der Produktion von Serotonin beteiligt – unserem “Glückshormon”, das maßgeblich unsere Stimmung reguliert. Aus Serotonin wiederum stellt unser Körper nachts Melatonin her, unser Schlafhormon. Fehlt uns also über Wochen das Sonnenlicht, gerät genau dieser Kreislauf ins Stocken: weniger Vitamin D, weniger Serotonin, schlechterer Schlaf, weniger Kraft, um rauszukommen – und der Speicher füllt sich noch schlechter. Kein Wunder also, dass sich das nicht wie “ein bisschen schlecht drauf sein” anfühlt, sondern wie ein Fass ohne Boden.
☀️ Tipps für besseren Schlaf und gute Laune durch ausreichend Vitamin D
- Wenn du mit deinem Kind nicht oft genug rauskommst: Überlege, wie du selbst mehr Zeit “outdoor” verbringen kannst. Stelle einen Strandkorb auf deinen Balkon oder richte dir ein Outdoor-Home-Office auf der Terrasse ein. Nutze deine Mittagspause für ein Picknick auf der Parkbank. Geh mit dem Hund spazieren. Mache Yoga im Wintergarten – oder lies dort ein gutes Buch. Geh mit Freunden spazieren statt beim Kaffee im Wohnzimmer zu hocken, oder bring den Müll selbst raus und stell dich 5 Minuten in die Sonne, statt ein anderes Familienmitglied darum zu bitten. Egal wie und wo: Nutze jede Möglichkeit für Luft und Licht!
- Verlege, was sich verlegen lässt, nach draußen: Das Telefonat mit der Freundin, der Papierkram, den du eh am Laptop erledigst, das Frühstück am Wochenende. Dein Körper unterscheidet nicht zwischen “Freizeit draußen” und “Pflicht draußen” – Hauptsache, das Licht kommt an.
- Miss deinen Vitamin-D-Spiegel, bevor du rätst. Gerade im Herbst und Winter reicht Sonnenlicht in unseren Breiten oft ohnehin nicht aus, egal wie diszipliniert du rausgehst. Ein Bluttest gibt dir Klarheit, ob (und wie hoch) du zusätzlich supplementieren solltest – das ist kein Selbstoptimierungs-Luxus, sondern schlicht Prävention.
- Mach dir eine feste “Licht-Ankerzeit”: Ein Fenster am Vormittag, in dem du – und sei es nur für 10 Minuten – draußen bist. Ein festes Zeitfenster lässt sich leichter verteidigen als ein vages “ich geh dann mal irgendwann raus”, das im Alltagschaos untergeht.
- Überlege, was geschehen müsste, damit du öfter mit deinem Kind rausgehen kannst. Braucht ihr vielleicht eine fertig gepackte “Outdoor-Tasche” im Auto oder am Garderobenhaken, damit du nicht immer wieder alles Zeug zusammensuchen musst? Oder einen Pflege-Buggy? (Idealerweise noch 2026 beantragen – die politische Lage, ihr wisst schon!) Oder einfach eine Assistenzkraft, die euch begleitet? Hier geht’s zum Blogartikel über Babysitter und Assistenz.
- Egal was es ist: Finde raus, was dich hindert – und was in einer perfekten Welt die Lösung wäre. Und dann überlege, ob es Möglichkeiten gibt, das zumindest gelegentlich umzusetzen.
Denn – und das ist der Gamechanger schlechthin – ein guter Vitamin-D-Spiegel kann auch den Schlaf (und die Stimmung) deines Kindes optimieren. Und das wiederum sorgt für eine Positiv-Spirale bei euch beiden!
So wichtig das Licht ist: Ganz allein übers Sonnenbaden füllen wir unseren Speicher selten ausreichend – gerade in unseren Breitengraden, gerade im Herbst und Winter. Und genau hier schließt sich der Kreis zu unserem eigentlichen Thema: Auch über die Ernährung kannst du deinem Vitamin-D-Speicher unter die Arme greifen, mit fettem Fisch, Eigelb oder angereicherten Lebensmitteln. Und ja, auch ein gutes Nahrungsergänzungsmittel darf hier ganz offiziell mit auf die Liste – gerade wenn der Bluttest einen echten Mangel zeigt, ist das kein “Kapitulieren”, sondern schlicht klug. Nur eben nicht als Einzelkämpfer, sondern eingebettet in das große Ganze: eine Ernährung, die deinen Zellen wirklich das liefert, was sie brauchen.
Wie gehen wir mit diesem Zellen-Hunger im Trubel eines Special-Needs-Alltags um?
Die Lösung lautet auch hier ganz entschieden nicht: “Ab jetzt wird jeden Tag ein Drei-Gänge-Bio-Menü frisch gekocht und alles selbst angebaut.” Das ist utopisch. Die Lösung lautet: gezieltes, pragmatisches Aufwerten im Alltag.
🎯 Tausche die Snacks, nicht die Gewohnheit
Wenn das Nervensystem nach dem schnellen Knabbern verlangt, gib ihm Futter, das gleichzeitig Nährstoffe liefert. Stell dir gezielt Kürbiskerne (vollgepackt mit Magnesium und Zink), Walnüsse (grandios für das Gehirn) oder ungeschwefeltes Trockenobst hin. Oder tausche geschickt: Hüttenkäse gemischt mit Marmelade und einem Löffel Leinsamen oder Chia als süßer Snack statt Kuchen – der Hüttenkäse liefert dir dabei die Proteine, ganz im Sinne der 1-2-3-Methode aus Teil 1. Geröstete Kichererbsen mit Gewürzen deiner Wahl (Paprika, Kreuzkümmel, Knoblauch) statt Chips. Hummus mit Vollkorn-Leicht-und-Cross statt Salzstangen.
🎯 Das “Plus-Eins”-Prinzip für Fertiggerichte
Wenn es die schnelle Pizza oder die Tütensuppe sein muss, werte sie in 10 Sekunden auf. Wirf eine Handvoll Tiefkühl-Brokkoli mit in den Topf. Streue Hanfsamen oder Kürbiskerne über die Fertigpizza. Rühre einen Löffel Nussmus unter. So machst du aus einer leeren Kalorienbombe im Handumdrehen ein nährstoffangereichertes Essen.
🎯 Lass deine Laborwerte gezielt checken
Nutze den nächsten Arztbesuch, um nicht nur das Standard-Blutbild zu machen, sondern gezielt wichtige Speicher wie Ferritin, Vitamin D3, B12 und Magnesium untersuchen zu lassen. Als Special-Needs-Elternteil ist dieses Blutbild kein Luxus, sondern die notwendige Inspektion deines wichtigsten Motors.
🎯 Faulheit ist Trumpf: Der “Hack-and-Hold”-Trick
Klingt paradox, ist aber Wissenschaft: Kaufe Zwiebeln, Knoblauch, Brokkoli und Blumenkohl gleich in größeren Mengen, hack alles klein – und lass es dann erst mal liegen, bevor du es einfrierst oder verarbeitest.
Warum? Beim Schneiden oder Zerdrücken werden in diesen Gemüsesorten Enzyme aktiviert, die wertvolle Schutzstoffe erst bilden: Bei Zwiebel und Knoblauch entsteht so das entzündungshemmende Allicin (Wartezeit rund 10 bis 15 Minuten), bei Brokkoli und Blumenkohl das krebsvorbeugende Sulforaphan (Wartezeit rund 40 Minuten). Wird zu früh erhitzt oder eingefroren, wird genau das Enzym zerstört, das diese Stoffe erst herstellt. Keine Wartezeit, kein Wirkstoff. Am einfachsten merkst du dir eine runde Zahl für alles zusammen: 45 Minuten liegen lassen, dann bist du für alle vier Gemüsesorten auf der sicheren Seite.
Das Geniale daran: Wenn du erst hackst, dann wartest und danach einfrierst, hat sich der Wirkstoff schon gebildet – und bleibt beim Einfrieren erhalten. Fertig gekauftes Tiefkühlgemüse aus dem Supermarkt kann das übrigens nicht leisten, weil es vor dem Einfrieren blanchiert wird und die nötigen Enzyme dabei schon zerstört sind. Mit deiner eigenen Hack-and-Hold-Portion im Gefrierfach hast du also nährstofftechnisch die Nase vorn – und trotzdem jederzeit etwas zur Hand, um dein Essen im Handumdrehen aufzuwerten. Einfach durch Warten. Genial, oder?
Wenn du tiefer einsteigen willst
Diese beiden Artikel geben dir das Fundament – die Grundprinzipien, die im Alltag sofort greifen. Wenn du aber wirklich verstehen willst, welche konkreten Lebensmittel dein Nervensystem in Stresszeiten am effektivsten unterstützen, und wie du sie in deinen völlig unplanbaren Alltag einbaust, dann leg ich dir unseren Kurs Superfoods und Stress ans Herz. Dort gehen wir genauer auf das Thema Stress und Ernährung ein – mit konkreten Lebensmitteln, Dosierungen und Routinen für euren Alltag.
Für heute reicht es aber festzuhalten: Du musst nicht perfekt essen, um deine Zellen zu schützen. Aber du darfst anfangen zu verstehen, dass dein Körper bei Dauerstress schlicht mehr Baumaterial braucht als der Durchschnittsmensch.
Es geht nicht darum, satt zu werden. Es geht darum, “Nährstoff-Satt” zu werden – dass dein Körper aufhört, ständig nach mehr zu scannen, weil er endlich das bekommt, was er wirklich braucht.
Wenn dich diese und andere Perspektiven des Special-Needs-Parenting interessieren, dann lade ich dich herzlich ein, meinen Newsletter zu abonnieren. Hier nehme ich dich mit auf meine Reise durch unsere manchmal furchtbar anstrengende, aber doch auch oft wunderbare und erfüllende Welt.
Alles, was ich in den letzten 18 Jahren an Wissen und Erfahrung erarbeitet habe, um gut durch ein Leben mit Special Needs zu kommen, möchte ich so gern an möglichst viele Menschen weitergeben – und ich freue mich, wenn ich dich zu meiner Community zählen darf!
Ihr Lieben, sorgt für eure Zellen – sie tragen euch durch diesen Marathon. Und völlig egal, wie schön oder hässlich du dich fühlst, ob dein Körper super funktioniert oder schon die ein oder andere Macke, Delle oder Baustelle hat: Sei dankbar.
Denn letztendlich ist es wundersam und erstaunlich, durch welche Herausforderungen er uns trägt. Was er uns alles verzeiht. Und trotz widrigster Umstände leistet. Je mehr wir uns bewusst werden, was unser Körper für uns tut, desto mehr können wir ihn als Verbündeten betrachten – und ihn immer besser verstehen und ihm geben, was er wirklich braucht.
Und er wird uns noch besser und geschmeidiger durch dieses Leben tragen. Und hoffentlich durch viele wunderbare Jahre mit unseren Kindern. Mit gutem Schlaf und Fröhlichkeit im Herzen.
Passt auf euch auf! 💛
Eure Marion von Außergewöhnlich-gut-leben.de
Pädagogin, Kulturwissenschaftlerin, Coach – und Mutter einer Tochter mit Down-Syndrom und zwei weiterer Kinder.
Falls du Teil 1: Der Marathon-Code noch nicht gelesen hast: Dort findest du die 1-2-3-Methode für stabilen Blutzucker im Pflegealltag, inklusive Notfall-Hummus-Rezept.
Quellen & wissenschaftliche Basis
Ernährungswissenschaft entwickelt sich ständig weiter. Diese Empfehlungen stützen sich auf eine Kombination aus aktueller Stoffwechselforschung und alltagspraktischer Erfahrung:
Blutzucker-Physiologie: Die “Reihenfolge-Methode” (Ballaststoffe vor Kohlenhydraten) basiert auf Erkenntnissen der modernen Glukose-Forschung (z. B. durch Ansätze von Jessie Inchauspé). Ziel ist die effektive Glättung von Blutzuckerspitzen.
Nährstoffdichte: Grundlagen zu pflanzlicher Nährstoffdichte stammen aus den Standardwerken von Dr. med. Michael Greger (“How Not to Die”, “How Not to Diet”). Der “Hack-and-Hold”-Trick (Zwiebel, Knoblauch, Brokkoli und Blumenkohl vor der Verarbeitung ruhen lassen) basiert ebenfalls auf Gregers Arbeit zur Bildung von Allicin und Sulforaphan.
Vitamin-D-Physiologie: Der Zusammenhang zwischen Vitamin D, Serotonin- und Melatoninbildung sowie Schlaf und Stimmung basiert auf aktuellen Erkenntnissen der Endokrinologie und Chronobiologie.
Stressbiologie: Die Zusammenhänge zwischen chronischem Stress (Cortisol) und dem erhöhten Mikronährstoffbedarf basieren auf Modellen der Psychoneuroendokrinologie.
Praxis-Expertise: Tipps wie das “Plus-Eins”-Prinzip oder die Notfall-Snacks basieren auf meiner langjährigen Coaching-Expertise im Special-Needs-Alltag. Theorie ist gut, aber sie muss in unseren Familienalltag passen.
Rechtlicher Hinweis: Diese Artikel basieren auf intensiver Recherche und praktischer Erfahrung. Sie ersetzen keine individuelle ernährungsmedizinische Beratung bei akuten Beschwerden. Falls dir sachliche Fehler auffallen, schicke mir gerne einen Hinweis an buero [at] marion-mahnke [punkt] de.
