Gastbeitrag: Agnes on Tour

Im Rahmen der Blogartikelserie „Außergewöhnlich gut reisen“ haben wir heute einen Gastbeitrag von Astrid und Agnes:

Agnes on Tour

Gerne steuer ich etwas zum Thema „Reisen  mit einem behinderten Kind“ bei. Kurz zu uns, Agnes ist 6 Jahre alt, ein richtiger Wirbelwind und wurde mit einem zusätzlichen Chromosom geboren, hat also das Down Syndrom und meine Name ist Astrid, knapp über 40 und seit 2 Jahren alleinerziehend. Zu uns gehört noch mein großer Sohn, 22, der aber schon lange nicht mehr mit uns in Urlaub fährt.

Unseren ersten Urlaub zu dritt haben wir schon in der Schwangerschaft geplant und gebucht. Es sollte wieder in die USA, genauer gesagt zu Mickey & Co nach Orlando/ Florida gehen da mein Exmann dort gearbeitet hatte und wir schon sehr große Disney Fans sind.

Jetzt überraschte uns Agnes allerdings mit dem Extra Chromosom und einem schweren Herzfehler der so früh wie möglich operiert werden musste, nur musste sie für die OP ein Gewicht von 5 Kilo haben. Ich habe im Traum nicht darüber nachgedacht ob die Reise trotzdem möglich wäre, sie wäre da ja erst 3 Monate alt und mit dem Herzfehler? Trotzdem haben wir den Kinderkardiologen gefragt und da wir sehr engmaschig betreut wurden gab er grünes Licht für den langen Flug. Wir beschlossen dann zu fliegen um Kraft für die anstehende Zeit zu sammeln.

Der Flug an sich war problemlos, ich habe damals noch gestillt, was praktisch war gerade beim Start- und Landeanflug zum Druck ausgleichen. Wir bekamen eine Reihe in der man ein Babybettchen einhaken kann so dass sie in Ruhe schlafen konnte. Wir hatten unsere eigene Babyschale und Buggy dabei, so war auch die Sicherung im Mietwagen kein Problem.

Im Hotel selber war auch ein Babybett vorhanden und in dem Alter gab es ja noch keinen Unterschied zu anderen Kindern.

Schwieriger wurde es dann so ab 4 Jahren. Wir hatten inzwischen einen Reha Autokindersitz da sie für die Babyschale zu groß war, für einen normalen Kindersitz zu hypoton, d.h. wenn sie einschlief klappte sie wie ein Taschenmesser zusammen und hing Kopfüber im Fußraum des Autos. Dieser Sitz ist allerdings so schwer dass er nicht mal schnell als Handgepäck durch den halben Flughafen getragen werden konnte und zu breit für einen Flugzeugsitz und er hatte keine Zulassung zum Fliegen. Wir behalfen uns mit dem „Care-Gurtsystem“, klein, handlich, wird einfach über den Sitz geschnallt und das Kind ist dann mit Hosenträgergurten mit dem Flugzeugsitz verbunden. Klappte ganz gut, als sie einschlief haben wir nur den Sitz in Liegeposition gebracht.

Langstreckenflüge sind ja für niemanden angenehm, wir haben aber bisher mit allen Fluggesellschaften Glück gehabt, bzw mit den Mitreisenden. Agnes war jetzt kein Schreikind sondern hat sich durch die Reihen gelächelt und gewunken.

In den Disney Parks selber gab es nie Probleme. Man bekommt einen Aufkleber für den Buggy dass man ihn überall mit hinnehmen darf und das Kind selber einen Ausweis, mit dem man nicht anstehen braucht und bei Shows z.B. vor den anderen rein gelassen wird.

Disney ist sowie so absolut „behindertenfreundlich“, weiß jetzt nicht wie man das anders ausdrücken könnte. Wir hatten dort so viele schöne Erlebnisse, wenn ihr möchtet dürft ihr das gerne bei mir im Blog nachlesen (www.rumpelpumpelhaus.blogspot.de)

Von Disney gibt es auch Kreuzfahrtschiffe, zb die Disney Magic. Diese Schiffe haben eine Besonderheit, es gibt kein Casino und alles ist für Kinder ausgerichtet, besser gesagt für große und kleine Disney Fans, es gibt aber auch den Kids Club wo die Kinder toll betreut werden und auch da war es nie ein Thema dass Agnes mehr Betreuung braucht. Nur leider sind diese Reisen sehr teuer geworden, so schnell werden wir da nicht mehr hinkommen.

Jetzt wurde sie immer mobiler und schneller, was uns auf Trapp hielt. Was uns dann auffiel war, dass man kaum ein Hotelzimmer richtig abschließen konnte. Zwar so dass man von außen nicht rein kam, aber sobald man von innen die Klinke drückte, war die Tür offen. Ich hab einen leichten Schlaf, trotzdem wird immer einiges vor die Türe gestellt damit ich es höre, sollte sie nachts mal ausbüchsen wollen.

Seit ich mit ihr alleine bin, machen wir öfter Kurztripps, z.B. nach München in die Therme Erding mit Übernachtung, wir waren vor kurzem auch im Eurodisney Paris, leider mussten wir nach 2 Tagen abbrechen da sie Scharlach bekam und ich Angst hatte, dass es mich auch erwischt und ich ja alleine die 750 km mit dem Auto vor mir hatte.

In zwei Wochen geht es wieder ins Eurothermen Resort Bad Schallerbach. Das ist so gigantisch dort. Wir sind beide Wasserratten, lieben Wellenbad und Rutschen. Vom Hotel aus hat man einen eigenen Zugang zum riesigen Spaßbad, tolles Essen, Kinderbetreuung wenn ich mal in die Sauna möchte, nebenan ein toller Park mit Ziegen und anderen Tieren, Duftgarten, Heuboden zum springen, Kettcars, mehrere Spielplätze u.v.m. Berchtesgaden ist nicht weit entfernt, das Salzbergwerk z.b ist immer einen Besuch wert.

Außer mit dem Auto reise ich nicht gern. Wir haben doch mehr Gepäck durch Windeln, mehr Ersatzwäsche…im Auto hab ich alles dabei, ich bin flexibel, und durch ihr Entertainment System auf der Rücksitzbank (tragbarer DVD Player) sind auch weitere Strecken kein Problem.

Allgemein bin ich gelassener geworden, ich lauf halt mehr hinter her, Feuchttücher kann man nie genug dabei haben und wir lernen so viele nette Menschen auf unseren Reisen kennen. Natürlich kenne ich meine Tochter am Besten, weiß was wir immer dabei haben müssen, dass ich immer genug Zeit einplanen muss, Hektik ist das was wir nicht brauchen können bzw. was alles durcheinander bringt und Agnes dann erst recht bockig ist. Deshalb haben wir auch immer noch einen Reha Buggy, bei weiteren Strecken oder wenn ich weiß dass dort viele Menschen sind ist dass ihr Rückzugsort.

Wünsch Euch allen einen schönen Sommer, liebe Grüße, Astrid