Corona-Virus: Was müssen Eltern behinderter Kinder wissen?

Corona-Virus: Was müssen Eltern behinderter Kinder wissen?

Der Corona-Virus ist in Deutschland angekommen.
Was müssen Eltern behinderter und chronisch kranker Kinder wissen?
Wie können wir uns und unsere Kinder schützen?
Was für praktische Tipps helfen uns, eventuelle Quarantäne-Zeiten zu überstehen?

Risikoeinschätzung: Welche Herausforderungen und Risiken bringt der Corona-Virus für unsere Familien?

Wie gefährlich ist der Corona-Virus?

Zunächst einmal die gute Nachricht: 80% der Erkrankungen mit dem Corona-Virus verliefen bisher milde bis moderat. Wie wir wissen, können aber auch schwere Lungenentzündungen die Folge sein und einige Menschen sterben daran. Aber nur 6% aller Fälle sind kritisch bis lebensbedrohlich. Die allermeisten Erkrankten in China waren zwischen 30 und 69 Jahre alt und Menschen unter 20 Jahren waren kaum betroffen. Nur 2,4% der Erkrankten waren unter 20 Jahren alt.[1]

Das ist für unsere Kinder erfreulich mag aber auch darauf zurück zu führen sein, dass jüngere Menschen üblicherweise eine gute Immunabwehr und selten Vorerkrankungen haben – was nicht immer auf unsere Kinder zutrifft.

Das Robert-Koch-Institut gibt an, dass Raucher, Menschen über 50 Jahren und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen ein besonders hohes Risiko für einen schweren Verlauf haben.

Unter Vorerkrankungen, die das Risiko erhöhen, versteht man in Bezug auf Corona:

  • Erkrankungen des Herzens (z.B. koronare Herzerkrankung),
  • Erkrankungen der Lunge (z.B. Asthma, chronische Bronchitis),
  • Patienten mit chronischen Lebererkrankungen
  • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Patienten mit einer Krebserkrankung.
  • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z.B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie z.B. Cortison)[2]


Weitere Besonderheiten bei Special-Needs-Families

In unseren Familien wäre es außerdem ebenfalls problematisch, wenn ein oder beide Elternteile krank werden würden, denn wie soll dann eine ordentliche Betreuung unserer Kinder mit Handicap sicher gestellt werden?

Zudem kann eine selbstgewählte Quarantäne oder die Schließung von Kindergärten, Schulen, Therapieeinrichtungen oder Spiel- und Sportangeboten eine besondere Herausforderung für die Betreuung und Förderung darstellen.

Betrifft Corona uns schon?

Inzwischen gibt es in allen Bundesländern bestätigte Fälle von Corona. Die Gefahr wird für Deutschland allerdings noch als „mäßig“ eingestuft. Die jeweils aktuelle Risikobewertung findet ihr hier: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikobewertung.html?nn=13490888

Schließungen von Schulen und Kindergärten könnt ihr über die Webseiten der Radiosender Eurer Region oder über das Kultusministerium eures Bundeslandes erfahren. Auch die Webseiten auf denen normalerweise über Schulausfall aufgrund von Unwetter informiert wird, ist eine gute Informationsquelle. Whats-App-Nachrichten sind jedoch nicht zuverlässig – auch wenn sie von lieben Freunden kommen, die eine Nachricht mit der Überschrift „Das ist kein Fake“ vertrauensvoll an euch weiterleiten.

Fazit
Bei aller Gelassenheit im Umgang mit Corona: Umsicht und vorausschauende Maßnahmen sind in unseren Familien sicherlich in besonderer Weise geboten, damit wir alle diese Zeit gesund und entspannt überstehen.

Im Folgenden  möchte ich euch hier einige Hinweise zu Schutzmaßnahmen geben und ein paar Impulse zu Vorsorge, Förderung und Beschäftigung in dieser Zeit.

Übertragungswege und Schutzmaßnahmen

Lasst uns zunächst über Schutz und Vorsorge sprechen: Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion, auch eine Schmierinfektion könnte möglicherweise ein Übertragungsweg sein. Wer sich damit auskennt, kann einfach weiterscrollen, für alle anderen erkläre ich kurz, was sich hinter den Begriffen überhaupt verbirgt:

Hauptübertagung: Tröpfcheninfektion

Bei der Tröpfcheninfektion gelangen Krankheitserreger, die im Rachenraum oder im Atmungstrakt siedeln, beim Niesen, Husten, Sprechen durch winzige Speichel-Tröpfchen an die Luft und werden anschließend von einem anderen Menschen eingeatmet bzw. direkt über die Schleimhäute der oberen Luftwege aufgenommen, zum Beispiel durch einen Kuss.

Die Tröpfchen halten sich nur kurz in der Luft und sinken dann auf Flächen und Gegenstände ab. Durch den Kontakt mit Händen können sie dann über Mund-, Nasen- und Augenschleimhäute in den Körper gelangen. [3]

Mögliche weitere Übertragung: Schmierinfektion

Bei der Schmierinfektionen werden Erreger über eine Kette von Berührungen weiter gereicht – also von Mensch zu Mensch oder über Gegenstände.[4]

Schutzmaßnahmen

Erfreulicherweise ist das Corona-Virus gegenüber Desinfektionsmitteln und Händewaschen sehr empfindlich. Daher bringend diese Schutzmaßnahmen am meisten, sagt Prof. Dr. Matthias Stohl von der Medizinischen Hochschule Hannover.[5] Daher lasst uns zunächst über diese Maßnahmen sprechen:

Händewaschen
Folgende Richtlinien verringern das Risiko einer Lungenentzündung um bis zu 50%:

1. Hände unter fließendem Wasser waschen
2. Hände gründlich einseifen. Dabei Handinnenflächen, Handrücken, Fingernägel und -spitzen aber auch die Finger-Zwischenräume berücksichtigen. Flüssigseifen sind Seifenstücken vorzuziehen.3. Die Seife 20-30 Sekunden einmassieren.
4. Hände abspülen. Dabei in öffentlichen Räumen zum Schließen des Wasserhahns ein Handtuch oder den Ellenbogen verwenden
5. Hände abtrocken. Vorzugsweise mit Einweghandtüchern in öffentlichen Räumen. Zu Hause sollte jeder ein eigenes Handtuch haben.[6]

  • Häufiges Händewaschen reduziert die Gefahr von Lungenentzündungen um bis zu 50% !
  • Wichtig ist die Verwendung einer ausreichenden Seifenmenge
  • Nach Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts scheint es egal zu sein ob es sich um eine antibakterielle oder gewöhnliche Seife Aber Flüssigseife ist besser als Seifenstücke.
  • Selbst wenn gar keine Seife zur Verfügung steht, ist das Waschen mit reinem Wasser immer noch nützlicher als der Verzicht aufs Händewaschen.[7]

Singen schützt: Zusatztipp für Kids ohne Zeitempfinden:
Für die Kinder, die noch kein Zeitempfinden haben und die noch nicht zählen können gibt es einen Trick:  2 Mal „Happy Birthday“ oder „Alle-meine Entchen“  singen während die Hände eingeseift werden hilft um die 20-30 Sekunden abzumessen. Ob ihr in Öffentlichen Toiletten lauthals singen wollt oder innerlich summt, bleibt dabei euch überlassen 😉

Fördertipp: Zählen und Reimen
Da wir alle jetzt mit unseren Kindern häufig Händewaschen werden, bietet sich hier die Gelegenheit das Zahlen- und Zeitverständnis zu fördern indem statt des Singens tatsächlich die 30 Sekunden abgezählt werden. Bei Zähl-Einsteigern empfiehlt es sich einfach 3 Mal bis 10 zu zählen. Oder Mama zählt bis 10, dann das Kind bis 10 und dann noch einmal gemeinsam bis 10. Auch Abzählreime können hilfreich sein, da sie für die Sprachförderung nützlich sind (Reime, Satzmetrum). Hier wählt ihr einfach einen Abzählreim aus und prüft mit der Stoppuhr des Smartphones ob er langsam gesprochen den 20-30 Sekunden entspricht. Singen selbst ist natürlich ebenfalls eine gute Förderung von Sprache und Atmung ganz nebenbei und macht Freude – was wiederum der Immunabwehr nützt und die Verbundenheit der Sänger stärkt.

Händedesinfektion – Ja oder Nein?
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hält Desinfektion im privaten Umfeld gesunder Menschen für unnötig. Lediglich beim Betreten und Verlassen von Krankhäusern wird auch gesunden Menschen die Verwendung von Desinfektionsmitteln empfohlen.

ABER wenn abwehrgeschwächte Menschen und Pflegebedürftige im Hause leben, kann die Nutzung von Desinfektionsmitteln hilfreich sein. Ihr müsst also abschätzen, ob eure Kinder ein erhöhtes Infektionsrisiko haben bzw. ob sie im Falle einer Lungenentzündung durch ihre Behinderung oder Vorerkrankung durch eine Lungenentzündung besonders gefährdet wären. (vgl. die Liste der Risiko-Patienten am Anfang des Artikels).

ZUDEM wissen wir, dass das Corona-Virus besonders anfällig für Desinfektionsmittel ist. In diesem Fall ist Desinfektion also durchaus ein sinnvoller Schutz-Faktor.

Generell halte ich persönlich es so, dass ich derzeit beim Besuch von Arztpraxen, Therapeutischen Einrichtungen und ähnlichen Orten besonders aufs Händewaschen und ggf. Desinfektion achte. Aber auch wenn jemand von der Familie nach Hause kommt sind Händewaschen und ggf. Desinfektion im Moment Pflichtprogramm.

Praxistipp
Derzeit scheinen die meisten Anbieter der Pflegesachleistungen noch ausreichend Bestände an Desinfektionsmittel zu haben. Es empfiehlt sich aber, dass ihr Eure monatlichen Pakete jetzt bald bestellt und ggf. lieber Desinfektionsmittel statt Betteinlagen bevorzugt.

Solltet ihr Desinfektionsmittel benötigen, aber keines mehr lieferbar sein, könnt ihr euch Desinfektionsmittel auch selbst herstellen oder in der Apotheke herstellen lassen. Dazu mehr hier:

https://www.antenne.com/niedersachsen/tipps_und_service/wissen/So-macht-ihr-euer-eigenes-Desinfektionsmittel-id387893.html

Alltagstipp Fahrstuhl und Türgriffe
Wenn ihr dieser Tage Ärzte oder Therapeuten aufsucht, sind besonders die Druckknöpfe von Fahrstühlen und ggf. Klingelknöpfe Flächen, die von vielen Menschen auf wenigen Quadratzentimetern angefasst werden. Wenn ihr einen Kugelschreiber oder einen Schlüsselbund zur Hand habt, könnt ihr diese nutzen um den Fahrstuhlknopf zu drücken. Auch Treppengeländer oder Türklinken werden täglich von vielen Menschen angefasst. Hier empfiehlt es sich auch den Ellenbogen zu nutzen oder ein Papiertaschentuch, das ihr hinterher wegwerft.

Krisen-Vorrat
Über die Bevorratung bei Krisen informieren Euch viele gute Webseiten[8]. Für unsere besondere Situation möchte ich lediglich darauf hinweisen darauf zu achten, dass ihr von den Medikamenten, die eure Kinder benötigen, einen ausreichenden Vorrat habt. Insbesondere Schilddrüsen-Medikamente sollten ja nicht gewechselt werden und werden häufig in China und Indien produziert. Auch die gewohnten Schmerzmittel oder andere Medikamente, die eure Kinder regelmäßig benötigen solltet ihr ausreichend in der Hausapotheke haben um bei Lieferengpässen nicht in die Bredouille zu kommen. Erkundigt euch bei Bedarf in Eurer Apotheke, ob bei Euren regulären Medikamenten Engpässe zu befürchten sind, oder ob die Produkte in Europa hergestellt wurden und voraussichtlich problemlos verfügbar bleiben.

Handlungstipps bei Atemwegserkrankungen und Verdacht auf Corona

Krankschreibung
Solltet ihr selbst leichte Erkrankungen der oberen Atemwege haben, könnt ihr euch per Telefon bis zu 7 Tage krankschreiben lassen. Ihr braucht nicht in die Arztpraxis zu gehen. Das gilt nur bei leichten Erkrankungen.

Corona-Verdacht
Zwischen Corona und Grippe zu unterscheiden ist für den Laien schwierig. Bei der Grippe oder Erkältung sind eher die oberen Atemwege betroffen, Corona befällt die unteren Atemwege. Fieber, trockener Husten und Atemnot können Anzeichen für Corona sein. Der Kontakt zu betroffenen Personen ist jedoch der stärkste Indikator.[9] Solltet ihr einen Verdacht haben, dann informiert euch telefonisch bei eurem Arzt oder dem Gesundheitsamt, was zu tun ist.

Was wenn ich mein Kind zu Hause behalten möchte, obwohl die Schulen nicht offiziell geschlossen sind?

In Deutschland gilt die Schulpflicht ausnahmslos. Ihr dürft euer Kind nicht einfach zu Hause lassen, ohne einen guten Grund. Das heißt: Nur wenn die Kinder vom Unterricht befreit werden oder die Schule offiziell geschlossen ist, dürfen die Kinder daheim bleiben. Falls ein Kind also aufgrund von Vorerkrankungen besonders gefährdet ist, solltet ihr mit dem Arzt und/oder der Schule sprechen ob eine Befreiung vom Schulunterricht angemessen ist.

Insbesondere in Förder-Einrichtungen ist aber häufig auch ein erhöhter Krankenstand beim Personal zu beklagen. Daher wird es bei begründeten Risiken für euer Kind sicherlich sinnvoll sein, sich mit der Schule zu verständigen, ob eine angemessene Pflege, Versorgung und Förderung des Kindes gerade gewährleistet werden kann.

Was tun, wenn wir tatsächlich daheim bleiben müssen?

Darf ich zu Hause bleiben?

Leider dürft ihr der Arbeit nicht fern bleiben, wenn ihr selbst nicht krank seid. Kindergarten- und Schulschließungen sind kein Grund daheim zu bleiben. Die Kinder ohne Rücksprache zur Arbeit mitzubringen ist auch keine Option.[10]

Auf der anderen Seite möchten die Arbeitgeber aber auch keine Risiken eingehen. Daher sprecht mit Eurem Arbeitgeber ob Home-Office oder Überstundenabbau nicht eine gute Lösung wären.

Was tun um die Betreuung eines behinderten, pflegebedürften Kindes zu sichern?

Da wir noch recht früh im Jahr sind, dürften viele von uns auch noch ein großes Budget an Verhinderungspflege zur Verfügung haben. Bei Bedarf ist zu überlegen, ob es in diesem Jahr sinnvoll ist, diese Mittel zu verwenden um die Betreuung während eventueller Schließungen er Einrichtungen sicher zu stellen. Falls ihr noch nie Verhinderungspflege beantragt habt, so nutzt die Gelegenheit um Eure Krankenkassen anzurufen. Wenn ihr Schwierigkeiten mit der Beantragung habt, dann könnt ihr gern eine Mini-Beratung bei mir per Telefon oder Video-Konferenz in Anspruch nehmen. Das Wesentliche erkläre ich euch in einem 15-Minuten-Termin.

Denkt daran, dass auch Verwandte 2. Grades das volle Budget nutzen können um einen Verdienstausfall und Reisekosten auszugleichen. Sollte also jemand aus der Verwandtschaft einspringen können, weil diese Person freinehmen kann, dann wäre das eine Option.

Wenn alle Stricke reißen könnt ihr als Angestellte größerer Betriebe (über 15 Arbeitnehmer) auch die Arbeitszeit reduzieren und Familienpflegezeit beantragen. Das ist für die meisten sicherlich noch keine Option, könnte aber interessant werden, wenn längere Schul- und Kindergartenausfälle zu erwarten sind.

 
Zu Hause mit behindertem Kind: 10 Tipps zum Überleben

Ja – mit kranken Kindern zu Hause zu sein ist oft eine Geduldsprobe. Aber auch mit gesunden Kindern daheim zu bleiben ist anstrengend. Was können wir tun, falls wir unsere Kinder über einen längeren Zeitraum daheim behalten müssen?

Viele von uns kennen das: Wir haben pädagogisch wertvolle Spiele gekauft, die aufgrund von Zeitmangel im Schrank verstauben und eigentlich wollten wir doch täglich Körperübungen oder Logo machen … Jetzt ist die Gelegenheit all‘ die guten Vorsätze umzusetzen, die im Alltag eben … gute Vorsätze bleiben.

  1. Durchforstet den Spieleschrank:
    • Sind vielleicht Spiele dabei, die von einer freundlichen Tante vor Jahren geschenkt wurden und erst jetzt dem Entwicklungsstand des Kindes entsprechen?
    • Probiert auch alte Spiel(-zeuge) aus. Vielleicht ist die Murmelbahn oder das Rechenlern-Spiel, die schon lange nicht mehr benutzt wurden, nun doch wieder in?
  2. Sind Geschwister da?
    • Gibt es Spiele, die man gemeinsam machen könnte? Fische angeln vielleicht? Memory? Und was ist mit dem lustigen Krokodil?
    • Während die Geschwister im Alltag vielleicht wenig Zeit und Lust haben sich mit dem behinderten Geschwisterkind zu befassen, sind jetzt alle Kinder den ganzen Tag da. Perfekt um immer zwischendurch kleine 10-Minuten-Spiele einzuschieben.
    • Natürlich kann das Zuhause-Bleiben eine Probe der Geschwisterbeziehung sein – aber es kann sie auch fördern. Vielleicht findet ihr Zeit um gemeinsam Vorzulesen oder Tony-Box zu hören und Kakao zu trinken?
  3. Viele Arbeiten im Haushalt erledigen wir lieber schnell selbst.
    Wenn wir alle zu Hause bleiben müssen, bietet sich vielleicht die Gelegenheit das Kind mehr einzubeziehen:   

    • Kochen, Backen oder einen Pudding anrühren – schaut bei welchen Dingen eure Kinder mittun können, die ihr sonst allein macht.
    • Sortieren von Besteck aus der Spülmaschine in den Besteckkasten, das Zusammenlegen von Wäsche oder Socken-Memory – all diese Dinge beschäftigen Eure Kinder und fördern ganz nebenbei. „Familien-Ergo“ nennen Dernick und Küstenmacher das und sie haben sogar ein Buch dazu geschrieben. Das kriegt ihr im Buchhandel – oder ohne Ansteckungsrisiko – auch als Kindle-Ausgabe.
  4. Logo-, Ergo-, Physio
    • Mal ehrlich – wenn das Kind nach einem langen Kindergarten- oder Schultag nach Hause kommt, hat es keine Energie mehr um konzentriert mitzuarbeiten. Oft erleben wir als Eltern dann nicht unser Kind in seiner besten Form. Wir selbst sind auch geschlaucht vom Tag und nicht eben gelassen. Lasst uns die Gelegenheit nutzen um einmal an einem entspannten Vormittag bei bester Konzentration unser Kind -und uns selbst- bei den Förderaufgaben zu erleben.
    • Ob ihr Farb-Steine sortiert, Lotto spielt, Mund-Übungen, Schreibaufgaben oder Zahlenverständnis schult – ihr werdet staunen, was euer Kind leistet, wenn es ausgeruht ist.
    • Fragt ggf. Eure Therapeuten nach sinnvollen Beschäftigungs- und Förderideen oder tauscht euch in den Sozialen Medien aus.
  5. Natürlich können wir auch uns selbst fortbilden!
    • Jetzt im März laufen der Down-Syndrom-Online-Kongress und der Online-Inklusions-Kongress.
    • Auch bei mir gibt es Webinare und Gesprächsgruppen (Bei Interesse, schreibt mir gern eine Mail an kontakt@nullmarion-mahnke.de oder schaut auf meiner Website aussergewoehnlich-gut-leben.de unter Angeboten).
    • Doch auch Bücher über Sprachförderung, körperliche Aspekte der Behinderung oder ähnliches, die lang schon auf unserer Lese-Liste standen, könntet ihr jetzt lesen.
    • Wer gut Englisch spricht und ein Kind mit Down-Syndrom hat, profitiert vielleicht von einem der Online-Kurse von down syndrome education international. Ich selbst mache gerade den Kurs über „Herausforderndes Verhalten bei Kindern und Jugendlichen mit Down Syndrom“ aber es gibt auch viele andere Kurs. Ihr findet sie hier: https://store.dseenterprises.org/?_ga=2.162355708.1958849288.1584042593-1296766510.1584042593
    • Aber vielleicht wollt ihr die Zeit auch für berufliche Fortbildung nutzten? Belegt doch endlich den Online-Englisch-Kurs. Oder lest das Buch der Koryphäe auf eurem Gebiet, zu dem ihr sonst nie kommt. Oder hört einen Podcast oder ein Hörbuch zu Eurem Fachgebiet.
  6. Um längere Zeiten des Daheim-Bleibens zu überstehen sind Hörbücher, Tonie-Box und vielleicht auch das ein oder andere lehrreiche oder unterhaltsame YouTube-Video nicht zu verachten.
    • Schaut ggf. in die Schulbücher eurer Kinder und lasst euch erklären, welche Themen sie gerade im Sachunterricht oder den Naturwissenschaften haben und schaut gemeinsam Reportagen zu diesen Themen.
    • Auch gute Kinder- und Jugendsendungen können Zeiten überbrücken, in denen ihr im Home-Office arbeiten müsst. V
    • Wenn ihr den Medienkonsum sinnvoll gestalten wollt, bieten sich auch Lernspiel-Apps an.
    • Wenn eure Kinder kognitiv fit sind, können Bastel- und Malarbeiten zur Beschäftigung beitragen.
  7. Versucht positiv zu denken! Macht eine Liste, welche Dinge im Alltag untergehen und nutzt die Zwangs-Pause dafür.
    • Gemeinschaftlich den Dachboden aufzuräumen oder die Kleiderschränke auszumisten kann ein Event sein.
    • Macht eine kunterbunte Modenschau aus dem Ausmisten der Klamotten.
    • Veranstaltet mit den Jüngeren einen Peppa-Wutz-Marathon mit gemeinsamen Pfannkuchen-Backen und Kartoffeln-Kochen
    • Organisiert ein Wohnzimmer-Picknick mit euren Jugendlichen.

So entsteht aus der ungeliebten Quarantäne ein positives gemeinsames Erlebnis für alle.

  1. Kinder müssen Toben und sich Bewegen. Das ist ein Grundbedürfnis im Kindesalter, sofern das Kind motorisch fit ist. Was könnt ihr in der Wohnung tun?
    • Tanz-Videos oder Tanz-Apps sind ein guter Weg um Energie und Spannung abzubauen.
    • Wenn die Kinder Treppensteigen können, könnt ihr aber auch einen Wettbewerb veranstalten, wer in 10 Minuten die meisten Stufen schafft. Das fördert das Zahlenverständnis und befriedigt das Bewegungsbedürfnis.
    • Und kennt ihr noch das gute alte Spiel „Nicht-den-Boden-Berühren“? Zugegeben: Das Wohnzimmer mag danach ein Chaos sein, aber das gemeinsame Aufräumen, ehe wir es uns wieder gemütlich machen können, hat auch einen Wert.
    • Holt das Trampolin aus der Ecke und den Pezzi-Ball vom Dachboden oder kramt die Springseile aus der Outdoor-Kiste.
  1. Eigentlich wolltet ihr schon längst mal ….
    • …neue Gebärden einführen?
    • … Metacom-Bilder laminieren und in der Wohnung aufhängen
    • … auf die Treppenstufen Zahlen malen?
    • … den Antrag auf ein Pflegebett, ein Reha-Dreirad oder einen Badeanzug stellen?

Nehmt Euch jetzt die Zeit die Wohnung zu gestalten, Anträge zu stellen und zu überlegen welche Veränderungen in Wohnung und Alltag jetzt dran sind. Vielleicht findet ihr jetzt endlich Zeit und Ruhe Dinge umzusetzen, die längst dran sind?

  1. Schaltet einen Gang runter!
    • Wenn irgend möglich: Findet Zeit für euch selbst!
    • Badewanne oder in Ruhe einen richtig guten Tee trinken: Nehmt Euch Zeit für Dinge, die Euch gut tun!
    • Yoga-Übungen, Muskelentspannung nach Jacobsen oder Autogenes Training: Mit dem Smartphone findet ihr Apps mit guten Anleitungen, wie ihr Stress abbauen könnt. Ganz nebenbei per Kopfhörer bei der Einschlafbegleitung des Kindes zum Beispiel …

Zum guten Schluss
Ich wünsche uns allen, dass diese Zeit der Corona-Pandemie gut an uns vorbei geht. Bleibt gelassen und vorausschauend. Nutzt die Zeit um Nachzudenken, Zeit mit den Kindern zu verbringen und sinnvolle Weichenstellungen vorzunehmen.

Selbstverständlich arbeite auch ich derzeit ausschließlich als Online-Coach und bin gern für Euch da. Ihr wisst ja: Einfach anrufen und ein kostenfreies Erstgespräch vereinbaren, wenn ihr denkt, dass ich euch bei einem Anliegen rund um die Bewältigung der Aufgaben als Special-Needs-Parents oder in Bezug auf euer persönliches Wachstum helfen kann.

Falls wir in den kommenden Wochen wirklich schwierige Zeiten und Themen zu erwarten haben, die alle angehen, werde ich sie in meinem Newsletter thematisieren oder auch spontan Webinare anbieten. Informiert euch bitte auf meiner Website über die entsprechenden Angebote oder abonniert den Newsletter.

Und jetzt: Alles Gute! Passt gut auf Eure Kinder auf  – und natürlich auf Euch selbst. Denn ihr wisst ja wie mein Slogan lautet: Immer die Sauerstoffmaske zuerst selbst aufsetzen, wenn das Flugzeug in Turbulenzen gerät, damit ihr fähig seid Euren Kindern tatkräftig zu helfen!

Alles Liebe
Eure
Marion Mahnke

[1] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html#doc13776792bodyText1

[2] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html#doc13776792bodyText1

[3] https://www.infektionsschutz.de/infektionskrankheiten/uebertragungswege.html

[4] https://www.infektionsschutz.de/infektionskrankheiten/uebertragungswege.html

[5] https://www.antenne.com/niedersachsen/tipps_und_service/gesundheit_und_ernaehrung/Fragen-und-Antworten-zum-Coronavirus-id371520.html#_Risikobewertung:-Wie-ist-die-aktuelle-Situation-in-Deutschland

[6] https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen.html#c6352

[7] https://www.infektionsschutz.de/haendewaschen.html#c6352

[8] Zum Beispiel: https://www.bbk.bund.de/DE/Ratgeber/VorsorgefuerdenKat-fall/Checkliste/Checkliste.html

[9] https://www.antenne.com/niedersachsen/tipps_und_service/gesundheit_und_ernaehrung/Fragen-und-Antworten-zum-Coronavirus-id371520.html#_Risikobewertung:-Wie-ist-die-aktuelle-Situation-in-Deutschland

[10] https://www.antenne.com/niedersachsen/tipps_und_service/gesundheit_und_ernaehrung/Fragen-und-Antworten-zum-Coronavirus-id371520.html#_Risikobewertung:-Wie-ist-die-aktuelle-Situation-in-Deutschland

Ein Gedanke zu „Corona-Virus: Was müssen Eltern behinderter Kinder wissen?

  • 27. März 2020 um 13:30
    Permalink

    Ein wirklich spannender Beitrag, danke!

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.